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Geplante Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz – Interessenskonflikt zwischen Wirtschaft und Ökologie

Jeder Gegenstand und somit auch jedes Produkt hat eine begrenzte Lebensdauer. Diese wird durch die Qualität der Rohstoffe, das Design, die Produktion und die Nutzung beeinflusst. Um geplante Obsoleszenz handelt es sich dann, wenn Unternehmen durch die Veränderung der Produkteigenschaften bewusst die Lebensdauer verändern. Problematisch wird dies, wenn die Lebensdauer künstlich reduziert wird.

Definition der geplanten Obsoleszenz

Du wirst den Begriff wahrscheinlich in einem negativen Zusammenhang kennen, jedoch ist dies der Definition nach nicht notwendigerweise der Fall. Die geplante Obsoleszenz kann sowohl zu einer Verkürzung, als auch zu einer Verlängerung der Lebensdauer führen. Die bewusste Verlängerung der Lebensdauer ist selten der Fall und kommt üblicherweise nur dort vor, wo es darauf ankommt, dass Geräte lange Zeit nutzbar und deshalb auch reparierbar sein müssen. Dies ist öfters in der Industrie der Fall. Im Heimbereich wirst du diesen Fall nur selten Finden.

Natürlicher Verschleiß und Sollbruchstellen

Problematisch ist es die geplante Obsoleszenz von natürlichem Verschleiß und notwendigen Sollbruchstellen zu unterscheiden. Sofern die verkürzte Lebensdauer nicht eindeutig am Design liegt, ist ein natürliches Ende der Lebensdauer nicht sicher auszuschließen. Ein anderes Problem sind sogenannte Sollbruchstellen. Hierbei handelt es sich um Stellen, die bei unsachgemäßer Handhabung relativ leicht brechen um unkontrollierbare Brüche zu vermeiden, die beispielsweise zu scharfen Kanten und dadurch zu Verletzungen führen könnten. Hier kommt es darauf an, ob die beschädigten Komponenten leicht und kostengünstig ausgetauscht werden können.

Die ökologische Bedeutung von geplanter Obsoleszenz

Die geplante Obsoleszenz ist eng mit dem Begriff der Wegwerfgesellschaft verknüpft. Daraus folgt ein Interessenskonflikt zwiwchen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen. Die Verkürzung der Lebensdauer hat einen großen Vorteil für die Industrie, denn so bist du als Verbraucher dazu gezwungen eher ein neues Produkt zu kaufen. Dies ist besonders dann von Vorteil, wenn das Ende der Lebensdauer kurz nach Ablauf der Garantie liegt. So stellen Hersteller sicher, dass du zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder ein neues Produkt kaufst und das alte, defekte Produkt entsorgst.

Daraus folgen automatisch vielfältige ökologische Probleme, denn diese Praxis geht auf Kosten von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Selbst wenn alle Komponenten des defekten Produkts recycelt werden könnten, was praktisch nie der Fall sein wird, werden durch geplante Obsoleszenz Reccourcen verschwendet, denn sowohl die Herstellung neuer, als auch die Wiederverwertung alter Produkte benötigt Energie, Wasser, Treibstoffe und andere Ressourcen. So muss Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung dem Streben nach immer höheren Umsätzen und Gewinnen eines Unternehmens weichen.

Geplante Obsoleszenz auf Kundenwunsch

Viele Hersteller argumentieren jedoch anders und verschiedene Studien belegen, dass es sich mit geplanter Obsoleszenz in vielen, wenn auch nicht in allen Fällen anders verhält, als du glaubst. Studien belegen, dass geplante Obsoleszenz nur selten bei Produkten vorkommt. Trotzdem ist die subjektiv empfundene, immer kürzer werdende Lebensdauer tatsächlich nachweisbar. Auch verschiedene Hersteller räumen dies ohne zu zögern ein, begründen dies jedoch mit dem Konsumverhalten der Kunden und ihrer Bereitschaft Geld auszugeben.

Das Problem ist, dass Hersteller durchaus dazu in der Lage wären durch höherwertige Rohstoffe und umfangreichere Härtetests zu erreichen, dass ihre Produkte länger halten. Dies hätte jedoch Nachteile für dich als Käufer und wäre letztlich auf eine andere Weise nachteilig für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Kunden suchen oft die neuesten Innovationen zu den niedrigsten Preisen. Dadurch sind Hersteller zu Kompromissen in der Produktion gezwungen. Sie hätten die Möglichkeit viele Ressourcen in die Optimierung ihrer Produkte zu stecken um ein nahezu unzerstörbares Produkt zu fertigen. Der Nachteil ist, dass dies die Kosten entsprechend in die Höhe treiben würde. Dies wollen jedoch die Kunden nicht. Einerseits erwarten sie mittlerweile eine geplante Obsoleszenz und andererseits wollen sie nach Ablauf der Garantie, sobald ein Gerät technisch veraltet ist, ohnehin wieder die neuste Technologie, die es auf dem Markt gibt. Deshalb sparen Hersteller ihre eigenen Ressourcen bei der qualitativen Optimierung ihrer Produkte ein und investieren diese Ressourcen in die Entwicklung neuer Technologien, die den Preisvorstellungen der Kunden entsprechen, jedoch dafür nur so lange halten, wie sie müssen und nicht so lange, wie sie könnten.

Welche Konsequenzen hat dies für dich?

Echte geplante Obsoleszenz kommt zwar tatsächlich vor, ist jedoch selten. Falls du auf lange Sicht einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung leisten willst, solltest du dein Konsumverhalten überdenken. Überlege dir, ob du immer die neueste Technologie zum Tiefstpreis haben musst, oder ob du auf die eine oder andere Innovation verzichten kannst, dafür jedoch ein teureres Gerät kaufst, welches höherwertig hergestellt wurde und länger als bis kurz nach Ablauf der Garantie halten wird. Wenn dies mehr Menschen tun würden, dann könnte dies letztlich auch zu einem Umdenken bei den Herstellern führen und sie würden wieder mehr Aufwand in die Produktoptimierung als in die Produktneuentwicklung stecken.

Rücksendungen – das Maß im Versandhandel

Die Kehrseite im Onlinehandel

Die Qualität eines Online-Shops wird oft danach bemessen, wie die Bestimmungen zur Rückgabe von Ware, welche defekt ist, und insbesondere solcher, die nicht gefällt, gestaltet sind. Viele Händler bieten einen kostenlosen Versand an und vor allem große Firmen des Versandhandels lassen ihre Kunden unpassende oder Ware, die nicht gefällt, auf Kosten des Unternehmens zurück senden.

Doch während der Versand und Rückversand einfach und kostenlos ist, steigt sowohl die Menge an Waren, die lediglich zur Ansicht bestellt werden, ohne ernsthafte Kaufabsicht, als auch die Menge solcher Waren, die gekauft werden, obwohl Zweifel daran bestehen, ob sie überhaupt passen oder gefallen werden. Während du als Kunde dies als einen Teil vom Service betrachtest und möglicherweise gezielt nach Händlern suchst, welche diesen Service anbieten, solltest du auch die ökologischen Konsequenzen bedenken, welche aus dem Versand und Rückversand resultieren.

Die Anzahl an Retouren in Deutschland

Da es neben wenigen großen Versandhändlern nahezu unüberschaubar viele kleine Unternehmen gibt, welche kaum statistisch erfasst werden können, ist es schwierig, dir präzise Zahlen zu nennen.

Eine Statistik zu dem Thema existiert jedoch von der Universität Bamberg aus dem Jahr 2012 und kann zumindest Anhaltspunkte liefern. Die Umfrage bei gut 300 Händlern hat in einer Hochrechnung ergeben, dass es knapp 290 Millionen Rücksendungen gab.

Interessant ist dabei, dass per Vorkasse sowie online bezahlte Waren seltener zurück geschickt werden, als auf Rechnung gekaufte Waren. Auch schicken Kunden verschiedene Produktgruppen seltener zurück als andere. So werden kaum 9% Bücher und anderer Medien zurück geschickt, aber bis zu knapp 15% aller Elektroartikel und teilweise fast 55% aller bestellten Modeartikel.

Dabei zeigt sich ebenfalls, dass Frauen Waren häufiger retounieren, als Männer – insbesondere bei Mode liegt der Unterschied bei rund 14% zwischen den Geschlechtern!

Doch auch in diesem Bereich, welcher die größte Bedeutung im Bereich der Retouren hat, gibt es Unterschiede. Während Accessoires noch vergleichsweise selten zurück geschickt werden, machen Retouren von Textilien und Schuhen teilweise 80% der bestellten Waren aus.

Viele Händler haben mit einer Retourenquote von über 10% zu kämpfen, einige Anbieter liegen sogar weit darüber. Für einen zurückgesandten Artikel enstehen dem Händler ca.  10 € an Kosten (lt. EHI-Studie) für die Rücksendung, das Auspacken, die Kontrolle des Produktes, das Aufbereiten und Neuverpacken und die Lagereinpflege und -haltung.

Die ökologischen Konsequenzen

Alleine die Menge an Paketen würde fast 3 Erdumrundungen ergeben. Da du sicher weißt, dass kaum ein Paket sich für einen erneuten Versand eignet, kannst du dir vorstellen, welche unglaublich große Menge an Müll dabei entsteht. Da die meisten Pakete auch bereits aus recyceltem Papier bestehen, solltest du dabei auch bedenken, dass sie nur noch eingeschränkt wiederverwertet werden können. Papier kann nämlich nur 5 bis 7 mal recycelt werden, bis die einzelnen Fasern zu kurz werden. Somit entsteht dabei letztlich tatsächlich viel Müll, der sich nur noch für die Verbrennung eignet und eine entsprechend hohe CO2-Belastung als Folgeproblem ergibt.

Da diese jedoch nicht erfasst werden kann, soll an dieser Stelle nur die CO2-Emission durch den reinen Transport durch Versandunternehmen betrachtet werden. Die DHL gibt einen CO2-Ausstoß von 500 g pro Paket an. Auf die geschätzte Anzahl von Retouren ergibt sich eine jährliche CO2-Emission von etwa 143.000 Tonnen. Das ist so viel Kohlenstoffdioxid wie er in 45.500 durchschnittlichen Bäumen gespeichert ist.

Doch fällt noch ein weiterer Punkt ins Gewicht. Zwar können manche Waren ohne größere Probleme als B-Qualität noch einmal verkauft werden, jedoch sind auch viele Artikel durch wenig pfleglichen Umgang damit so stark beschädigt oder abgenutzt, dass sie selbst nur noch entsorgt werden können. Entsprechend schlechter fällt die Bilanz der ökologischen Belastung aus.

Die Konsequenzen für dich

Der Statistik nach gibt es einige logische Schlussfolgerungen für dich um das ökologische Problem der Retouren zu reduzieren. Kaufe Ware möglichst nicht auf Rechnung – wenn du schon vor dem Kauf Zweifel hast, dann verzichte darauf! Viele Waren gibt es auch im Einzelhandel, und du kannst sie zumindest begutachten, bevor du sie billiger online kaufst.

Die hohe Retourenmenge von Textilien ergibt sich aus genau diesem Problem. Während der Inhalt von CDs und Büchern, als auch die technischen Daten von Elektroartikeln gleich bleiben, ist es kaum möglich, einen guten Eindruck von Kleidung am PC zu erhalten. Verzichte einfach auf den Onlinekauf von Mode vollständig – oder guck sie zuerst im Einzelhandel an!

Gerade für kleine Unternehmen ist eine hohe Retourenquote eine sehr große Belastung. Der Händler möchte sich eigentlich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, muss aber einen großen Zeitfaktor für die Rücksendungen aufbringen.

Hier einige Tipps, wie du Retouren vermeiden oder reduzieren kannst:

  • Kaufe eher lokal und regional und stärke somit deinen Umkreis und die Einzelhändler vor Ort.
  • Unterstütze lieber kleine Onlinehändler, die haben mit Sicherheit nur ein Lager und es wird alles zusammen in einem Karton versendet. Dementsprechend geht auch nur ein Karton retour und nicht mehrere an verschiedene Versandlager, wie es bei großen Unternehmen üblich ist (z.B. Amazon, About You, Zalando etc.)
  • Bevor du etwas kaufst, frag dich doch einfach selbst, „brauche ich das wirklich?“.
  • Bleibe bei einer Marke, wenn du die Passform gut findest.
  • Zieh doch einfach einmal Second Hand und Tauschbörsen in Betracht.

Von der Bedarfswirtschaft zur Wegwerfgesellschaft

Die Produktion übersteigt das, was wirklich gebraucht wird – was lässt sich dagegen tun?

Dass wir schon seit vielen Jahren in einer so genannten Wegwerfgesellschaft leben, hat auch damit zu tun, dass von allen Produkten mehr als genug vorhanden ist, der Wert des einzelnen Produkts also gering ist. Der Wert eines einzelnen Gegenstands schwindet sozusagen mit seiner massenhaften Verfügbarkeit, was nicht nur schade ist, sondern auch in sich den Drang nach „mehr und immer mehr“ trägt. Allein die Anzahl von durchschnittlich 10.000 Gegenständen, die der heutige Erwachsene hierzulande besitzt, ist schockierend. Brauchen wir all das, wenn doch noch vor wenigen Jahrzehnten ein Mensch nur 500 Gegenstände besaß? Die Frage ist rhetorisch, aber sicher auch dazu angetan, sich einmal die verschiedenen Formen der Produktion mit ihren Auswirkungen anzusehen.

Die traditionelle Produktonsweise: die Bedarfswirtschaft

Man findet sie auch heute noch in eher abgelegenen Ländern, eine Form der Bedarfswirtschaft, die man auch als Selbstversorgung oder Selbstgenügsamkeit bezeichnen kann. Eine wichtige Voraussetzung für diese Form des „Ich produziere alles, was ich brauche, selbst“, besteht jedoch darin, dass man die entsprechenden Produktionsmittel zur Verfügung hat. Bei der Selbstversorgung wäre dies ein kleines oder größeres Stück Land, auf dem man Obst und Gemüse anbauen bzw. auch Nutztiere halten kann, die Wolle für Kleidung etc. liefern. Der Bedarf wird bei dieser Form dadurch befriedigt, dass man nicht Konsument von vorgefertigten Produkten ist, sondern alles selbst erzeugt, was man für seinen täglichen Bedarf benötigt. Dass sich immer mehr Menschen, gerade auch Großstädter, die das entfremdete Einkaufen von „Ware“ satt haben, für die Bedarfswirtschaft interessieren, liegt auf der Hand.

Das Rad zurück drehen? Nein, aber Nischen schaffen!

Dass die Gesellschaft weg von der traditionellen ländlichen Produktion gekommen ist und heute überwiegend in Städten lebt, ist Fakt und nicht rückgängig zu machen. Das will auch niemand, aber aus dem Unbehagen des massenhaften, entfremdeten Konsums auszusteigen, den Dingen damit auch wieder mehr Wert durch eine größere Nähe zu ihrer Herkunft zu geben, scheint jedoch für viele Menschen reizvoll. Das Grauen, das sich beim Anblick von Kinderzimmern einstellt, die voll mit wahren Bergen von Puppen sind oder in Form von Autos niederschlägt, die nach kurzer Zeit kaputt sind, trifft auf das gleiche Befremden, das sich beim Anblick von überquellenden Tüten mit dem Logo mancher billig produzierender Ketten ergibt. Es ist also Zeit für eine Unterbrechung des „immer mehr, immer billiger“!

Wie es zur Massenproduktion kam

Im 19. Jahrhundert wurde mit der Erfindung von die menschliche Kraft ersetzenden Maschinen und Fließbändern der Grundstein für die heutige millionenfache Produktion von gleichförmigen, normierten Dingen gelegt. Dass die Menschen nun keine Knochenarbeit mehr erledigen mussten, wurde natürlich begrüßt, es wurde aber auch eine bis heute nicht zu stoppende Lawine in Gang gesetzt, die sich als „Es muss noch mehr sein“ beim Konsumenten im Denken niederschlägt. Wer als Konsument gut „trainiert“ ist, der braucht jedes Jahr ein komplett neues Outfit, der muss alle zwei Jahre neue Möbel haben. Nur, ist er wirklich glücklicher damit, oder ist dieser Massenkonsum nicht am Ende der Ersatz für ein wirklich sinnerfülltes Leben? Und wenn dem so ist, wie könnte dieses aussehen? Hier könnte sich ein Kreislauf schließen, nämlich durch die Rückkehr, zumindest in Teilen, zu der erwähnten Bedarfswirtschaft. Selber Produzieren macht glücklich – kurz zusammen gefasst.

Sein eigenes Gemüse anbauen – ein erster Schritt

Wer sich nicht völlig auf ein autonomes Leben in einem fernen Land einlassen will oder kann, kann auch heute und hierzulande ein Stück Bedarfswirtschaft wieder haben. Immer häufiger entstehen im Umland größerer Städte Projekte, bei denen gemeinschaftlich gearbeitet und gelebt wird, mit dem Ziel, so wenig wie möglich hinzu kaufen zu müssen. Und dass es wirkt und funktioniert, ist Tatsache. Wer diesen Schritt nicht gehen will, kann sich aber als Besucher und Förderer betätigen und so auch an der Ernte teilhaben. Das Verhältnis zu den täglich konsumierten Dingen wird sich so auch nachhaltig verändern. Nicht mehr „Ich hol mal schnell x beim Discounter“, sondern ein bisschen mehr Mühe, aber für etwas aufgebracht, das in sich stimmig und sinnvoll ist. Das macht glücklich und ein Gefühl von „Klasse statt Masse“ stellt sich ein.