Monat: September 2017

Von der Bedarfswirtschaft zur Wegwerfgesellschaft

Die Produktion übersteigt das, was wirklich gebraucht wird – was lässt sich dagegen tun?

Dass wir schon seit vielen Jahren in einer so genannten Wegwerfgesellschaft leben, hat auch damit zu tun, dass von allen Produkten mehr als genug vorhanden ist, der Wert des einzelnen Produkts also gering ist. Der Wert eines einzelnen Gegenstands schwindet sozusagen mit seiner massenhaften Verfügbarkeit, was nicht nur schade ist, sondern auch in sich den Drang nach „mehr und immer mehr“ trägt. Allein die Anzahl von durchschnittlich 10.000 Gegenständen, die der heutige Erwachsene hierzulande besitzt, ist schockierend. Brauchen wir all das, wenn doch noch vor wenigen Jahrzehnten ein Mensch nur 500 Gegenstände besaß? Die Frage ist rhetorisch, aber sicher auch dazu angetan, sich einmal die verschiedenen Formen der Produktion mit ihren Auswirkungen anzusehen.

Die traditionelle Produktonsweise: die Bedarfswirtschaft

Man findet sie auch heute noch in eher abgelegenen Ländern, eine Form der Bedarfswirtschaft, die man auch als Selbstversorgung oder Selbstgenügsamkeit bezeichnen kann. Eine wichtige Voraussetzung für diese Form des „Ich produziere alles, was ich brauche, selbst“, besteht jedoch darin, dass man die entsprechenden Produktionsmittel zur Verfügung hat. Bei der Selbstversorgung wäre dies ein kleines oder größeres Stück Land, auf dem man Obst und Gemüse anbauen bzw. auch Nutztiere halten kann, die Wolle für Kleidung etc. liefern. Der Bedarf wird bei dieser Form dadurch befriedigt, dass man nicht Konsument von vorgefertigten Produkten ist, sondern alles selbst erzeugt, was man für seinen täglichen Bedarf benötigt. Dass sich immer mehr Menschen, gerade auch Großstädter, die das entfremdete Einkaufen von „Ware“ satt haben, für die Bedarfswirtschaft interessieren, liegt auf der Hand.

Das Rad zurück drehen? Nein, aber Nischen schaffen!

Dass die Gesellschaft weg von der traditionellen ländlichen Produktion gekommen ist und heute überwiegend in Städten lebt, ist Fakt und nicht rückgängig zu machen. Das will auch niemand, aber aus dem Unbehagen des massenhaften, entfremdeten Konsums auszusteigen, den Dingen damit auch wieder mehr Wert durch eine größere Nähe zu ihrer Herkunft zu geben, scheint jedoch für viele Menschen reizvoll. Das Grauen, das sich beim Anblick von Kinderzimmern einstellt, die voll mit wahren Bergen von Puppen sind oder in Form von Autos niederschlägt, die nach kurzer Zeit kaputt sind, trifft auf das gleiche Befremden, das sich beim Anblick von überquellenden Tüten mit dem Logo mancher billig produzierender Ketten ergibt. Es ist also Zeit für eine Unterbrechung des „immer mehr, immer billiger“!

Wie es zur Massenproduktion kam

Im 19. Jahrhundert wurde mit der Erfindung von die menschliche Kraft ersetzenden Maschinen und Fließbändern der Grundstein für die heutige millionenfache Produktion von gleichförmigen, normierten Dingen gelegt. Dass die Menschen nun keine Knochenarbeit mehr erledigen mussten, wurde natürlich begrüßt, es wurde aber auch eine bis heute nicht zu stoppende Lawine in Gang gesetzt, die sich als „Es muss noch mehr sein“ beim Konsumenten im Denken niederschlägt. Wer als Konsument gut „trainiert“ ist, der braucht jedes Jahr ein komplett neues Outfit, der muss alle zwei Jahre neue Möbel haben. Nur, ist er wirklich glücklicher damit, oder ist dieser Massenkonsum nicht am Ende der Ersatz für ein wirklich sinnerfülltes Leben? Und wenn dem so ist, wie könnte dieses aussehen? Hier könnte sich ein Kreislauf schließen, nämlich durch die Rückkehr, zumindest in Teilen, zu der erwähnten Bedarfswirtschaft. Selber Produzieren macht glücklich – kurz zusammen gefasst.

Sein eigenes Gemüse anbauen – ein erster Schritt

Wer sich nicht völlig auf ein autonomes Leben in einem fernen Land einlassen will oder kann, kann auch heute und hierzulande ein Stück Bedarfswirtschaft wieder haben. Immer häufiger entstehen im Umland größerer Städte Projekte, bei denen gemeinschaftlich gearbeitet und gelebt wird, mit dem Ziel, so wenig wie möglich hinzu kaufen zu müssen. Und dass es wirkt und funktioniert, ist Tatsache. Wer diesen Schritt nicht gehen will, kann sich aber als Besucher und Förderer betätigen und so auch an der Ernte teilhaben. Das Verhältnis zu den täglich konsumierten Dingen wird sich so auch nachhaltig verändern. Nicht mehr „Ich hol mal schnell x beim Discounter“, sondern ein bisschen mehr Mühe, aber für etwas aufgebracht, das in sich stimmig und sinnvoll ist. Das macht glücklich und ein Gefühl von „Klasse statt Masse“ stellt sich ein.

Die Biokiste – gesund, bunt gemischt und ganz ohne Verpackungsmüll

Die Ware, die man im Supermarkt kauft, wird oft aus fernen Landen zu uns gebracht und umständlich und sehr viel CO2 verbrauchend transportiert. Danach wird sie in reichlich Plastik verpackt, lauter kleine Portionen erstellt, die den Konsumenten auch optisch anlocken sollen. Dass dies ein Unding ist, finden immer mehr Menschen und wenden sich unter anderem den Biokisten zu, die diverse Vorteile aufweisen. Sie aufzuzählen macht nicht nur Spaß, sondern könnte auch den Einen oder Anderen zum Umdenken bezüglich seiner Einkaufsgewohnheiten bringen.

Worum geht es bei diesen Kisten?

Kurz eine Vorbemerkung zu den Biokisten allgemein. Diese Kisten werden von diversen Anbietern zusammen gestellt und in ganz unterschiedlichen Gebinden angeboten. So kann man Kisten für ganze Familien ordern oder für eine Bürogemeinschaft, aber auch als Single kann man sich an der Kiste erfreuen. Wer sich für diese Lösung entscheidet, hat schon einmal einen Schritt weg vom Müllberg der Verpackungen gemacht, hat aber auch gleich den Vorteil erzielt, dass er die Kiste direkt ins Haus oder Büro geliefert bekommt. So kann man sich auf ein oft sehr schön wechselndes Angebot freuen und erspart sich auch das nach Hause Tragen der Ware. Dass diese frisch ist, ist klar, denn sie stammt direkt aus der Umgebung und wird nur einem kurzen Transportweg ausgesetzt. Einmal schnuppern – es ist klar, wie frisch die Sachen sind!

Wie eine Wundertüte – was ist heute drin?

Als Nutzer der Biokiste kann man natürlich eine normale Einkaufsliste anfertigen und sie einreichen, aber das scheint für viele Fans nicht so reizvoll. Jede Woche etwas Anderes und immer etwas Gutes, das scheint als Motto viel attraktiver zu sein. Auch das weicht also von den Einkaufsgwohnheiten der meisten Konsumenten ab. Überraschung, was mag hier Gutes warten? Das ist ein vertrauensvoller Zugang zu den Lieferanten/Produzenten, der auch ein Stück Nähe zu diesen schafft. Auch in der Hinsicht ist hier also alles etwas anders.

Der Müll entfällt – die Kiste enthält alles

Da die Biokiste nur von A nach B, also vom Erzeuger zum Verbraucher gelangt, muss nichts aufwändig geschützt bzw. verpackt werden. So liegen in den Papp- oder Holzkisten Äpfel neben Kartoffeln, daneben vielleicht ein Bund Lauch. Na und, es wird doch eh alles zusammen in den Kühlschrank oder in die Speisekammer gepackt! Das aus der Plastikhülle Ziehen der Ware entfällt, auch das ist ein Stück Bequemlichkeit. Aber das ist sicher nicht der Hauptgrund für die Entscheidung „pro Kiste“.

Auch denkbar: Man holt die Kiste an einem festen Ort ab

Es ist in manchen Großstädten auch Usus, dass sich die Kisten- Abonnenten ihre wöchentliche Ration in einem Laden abholen. Dort treffen sie auf die Erzeuger, die liebevoll die Kisten oder Körbe zusammen gestellt haben und sie mit Namen versehen. Ein Schwatz ist immer drin, man kennt sich. So wachsen Stadt und Land auch noch mehr zusammen. Hinzu kommt, dass für die Hersteller durch die Abos der Kisten ein festes Kontingent von Abnehmern entsteht, das sie von den teilweise unseriös niedrigen Preisen, die die Handelsketten zahlen, unabhängig machen.

Viele Vorteile sprechen also für dieses Modell: Müll wird vermieden, ein steter Kreislauf wird erzeugt, und man hat als Konsument immer frische regionale Ware. Und wann werden Sie zum Biokistianer?